Er hat ordentlich an Muskelmasse zugelegt, drischt die Bälle weit in die gegnerische Hälfte. Im Sommer wechselt Hammah-Keeper Tobias Dreyer zum VfL Güldenstern Stade.
Landkreis. Auch zwei Tage nach dem 3:3 gegen den TSV Stotel weiß Tobias Dreyer noch nicht so recht, wie er das Remis einordnen soll. „Wir haben in der Kabine gesagt: Eigentlich ist das zu wenig, aber ein Punkt ist besser als nichts“, sagt der Torhüter des Bezirksligisten MTV Hammah. Die Gegentore ärgern ihn, schließlich sei es immer sein Ziel, „zu null zu spielen“.
Für den 25-Jährigen beginnt langsam die Zielgerade seiner Zeit in Hammah. Nach der Saison wird Dreyer den Verein nach sieben Jahren verlassen und zum aktuellen Landesligisten VfL Güldenstern Stade wechseln. „Das weinende Auge ist sehr groß“, sagt er. „Hammah ist fußballerisch meine Heimat geworden und ich habe hier viele Freunde.“
Sportlich aber reizt ihn die neue Aufgabe. „Ich wollte noch einmal eine sportliche Veränderung machen und mich weiterentwickeln“, erklärt Dreyer. Auch die Gespräche mit den Stadern hätten ihn schnell überzeugt. „Die waren sehr angenehm. Fußballerisch und menschlich passt das.“
VfL Güldenstern stellt sich neu im Tor auf
Dass er im Sommer nach Stade wechselt, hat auch mit Torwarttrainer Sven Meyer zu tun, der ihn bereits während seiner Zeit bei der SV Drochtersen/Assel II betreut hat. „Das war ein ausschlaggebender Punkt“, sagt Dreyer. Auch die Nähe spielte eine Rolle: Dreyer lebt in Hammah, die Wege nach Stade sind kurz.
Ganz fremd ist ihm sein neuer Verein ohnehin nicht. In der Jugend spielte Dreyer kurzzeitig in Stade und kennt einige seiner künftigen Mitspieler privat. Wir sind super glücklich, dass wir ihn bekommen haben“, sagt Matthias Quadt, Trainer des abstiegsbedrohten Landesligisten. Damit konnten die Stader bereits eine große Lücke schließen. Durch den Abgang der Nummer eins, Timo Haepp, verlieren sie einen der besten Torhüter der Landesliga an den Konkurrenten Ahlerstedt/Ottendorf.
Außerdem wechselt Ersatzkeeper Luca Pauls genau wie Mitspieler Fynn Linzer im Sommer zum TSV Elstorf. Ein zweiter Keeper wird also noch gesucht. „Wir führen gute Gespräche und haben einen Favoriten“, sagt Quadt.
Warum Dreyer gut ins Stader Team passt
Für den VfL ist Dreyer eine echte Verstärkung, denn er gilt als einer der besten Torhüter im Stader Fußball. Unvergessen in Hammah: Im Bezirkspokal avancierte er vor einigen Jahren zum Helden, als er im Elfmeterschießen gegen den klassenhöheren FC Verden dreimal parierte.
Bevor er in Hammah seine Heimat fand, konnte Dreyer als junges Torhütertalent bereits Landesliga-Erfahrung bei D/A II sammeln. „Aber das hat damals nicht so gepasst“, erinnert er sich. Der Aufwand durch Training und Studium sei zu hoch gewesen. „Nur einmal pro Woche zu trainieren und dann Landesliga zu spielen – diesen Anspruch kann man mit 18 nicht stellen.“
In den vergangenen Jahren erhielt er mehrfach Anfragen aus der Landesliga. „Aber beruflich hat es oft nicht gepasst“, erklärt Dreyer, der heute in der Montageplanung eines Buxtehuder Unternehmens arbeitet.
Quadt glaubt, dass Dreyer gut ins Team passen wird. „Er ist jemand, der nach dem Training nicht sofort nach Hause fährt, sondern dem auch das Drumherum wichtig ist“, sagt Quadt.
Und noch etwas bringt Dreyer mit, um in Stade eine wichtige Rolle zu spielen. „Tobi ist körperlich eine Maschine“, sagt Quadt. „Er hat in den letzten Jahren muskulär ordentlich zugelegt und ist brutal im Eins-gegen-Eins.“ Das kommt nicht von ungefähr.
Aus dem Fitnessstudio zum Fußballtraining
Fünf bis sechs Tage pro Woche geht der 1,88 Meter große Torhüter ins Fitnessstudio. Sein Alltag ist straff organisiert: Feierabend um 16 Uhr, Fitnessstudio bis 18 Uhr, Mannschaftstraining ab 19.30 Uhr. Einen Nachteil für ihn als Torhüter sieht er darin nicht. „Ich bin überhaupt nicht unbeweglich. Es bringt mir körperliche Stabilität in vielen Situationen“, sagt er.
Auf dem Platz zahlt sich das ebenfalls aus. Seine ohnehin weiten Abstöße vom Boden fliegen inzwischen noch weiter. „Ich komme bis in die Mitte der gegnerischen Hälfte und noch einen bisschen weiter“, sagt Dreyer. „Da kommen Kraft und Technik zusammen.“
2023 erzielte er mit einem Abschlag aus der Hand sogar ein Tor für Hammah. Der Treffer wurde per Video festgehalten und beim ZDF-Sportstudio für das Torwandschießen eingereicht.
Ein Abstieg wäre kein Problem für Dreyer
Wenn es zeitlich passt, verfolgt er die Spiele der Stader schon jetzt vor Ort. „Ich traue ihnen den Klassenerhalt zu“, sagt er. Sollte der VfL dennoch absteigen, wäre es kein Problem. „Dann greifen wir eben wieder den Aufstieg an.“ Auch das sei ein Anreiz für den Wechsel gewesen. Doch zunächst steht für ihn der MTV Hammah im Mittelpunkt. Einige Spiele bleiben ihm dort noch. „Bis zum Saisonende will ich das Bestmögliche herausholen“, sagt er. Danach beginnt ein neues Kapitel.
Quelle: Stader Tageblatt

