Thomas Trabandt war lange Zeit Mister TuS Güldenstern Stade. Nach der Fusion mit dem VfL Stade wuchs er in eine neue Rolle hinein. Nun zieht die Liebe den Ur-Stader nach München. Stade lässt er aber nicht hinter sich.

Stade. Mit Thomas Trabandt verliert die Stader Vereinswelt eine lange prägende Figur. Bei der kürzlich stattgefundenen Mitgliederversammlung des VfL Stade hatte der 53-Jährige seinen letzten großen Auftritt. Er stand nicht zur Verfügung für die Wiederwahl des Vizepräsidenten, übte sein Amt bei den Ehrungen aber noch ein letztes Mal aus.

Es gab viele warme Worte, emotionale Reden. Trabandt wurde eine Wertschätzung zuteil, mit der er „nie gerechnet hätte“, wie er sagt. Er wurde zum Ehrenmitglied des VfL Stade ernannt. „Das hat mich gerührt“, sagt er. Er, der einst ewige Güldenstern.

Auf der Camper Höhe zu Hause

Trabandt ist in der Nachbarschaft der Camper Höhe aufgewachsen. Als Fünfjähriger hat er bei der TuS Güldenstern Stade mit dem Fußballspielen angefangen. Er begann früh, sich zu engagieren. Er sagt, er wollte Verantwortung übernehmen. Nach jahrelanger Vorstandsarbeit wurde er schließlich Präsident. Acht Jahre lang kämpfte er als Vorderster für den stolzen, aber klammen Fußballrivalen des großen VfL Stade.

Trabandt sagt, er habe schon ein paar Jahre vor der Fusion gewarnt, dass der kleine Verein „gegen die Wand fährt“. „Wir hatten finanzielle Probleme und zu wenig Ehrenamt.“ Aber Fusionsgedankenspiele trafen auf viel Widerstand.

2016 war es dann unumgänglich. Die Mitglieder beider Vereine mussten überzeugt werden. Trabandt musste viel Überzeugungsarbeit leisten. Carsten Brokelmann, Präsident des VfL Stade, hob bei Trabandts Verabschiedung hervor, wie ehrlich und gut die Fusionsgespräche waren. „Für Stade und den ganzen Fußball wäre es besser gewesen, wenn die Fusion früher gekommen wäre“, sagt Trabandt. Die beiden einst hochklassigen Fußballmannschaften spielten beim Zusammenschluss nur noch auf Bezirksebene.

Perspektivwechsel als Vizepräsident beim VfL Stade

Dass Trabandt nach der Fusion Vizepräsident wurde, nennt er „ein Zeichen für die Güldensterne“. Sie sollten sich mitgenommen fühlen. Für ihn persönlich änderte sich die Vereinsarbeit völlig. „Das waren zwei verschiedene Welten“, sagt Trabandt. Plötzlich gab es nicht nur Fußball und Tischtennis wie bei Güldenstern, sondern zahlreiche Abteilungen im größten Verein des Landkreises. „Die Struktur, die Organisation, die Vernetzung sind super professionell – ich dachte, ich guck nicht richtig“, schildert Trabandt seine ersten Eindrücke. Daran hat sich nichts geändert.

Imponiert spricht Trabandt davon, wie gut der VfL „ohne Delle“ durch die Corona-Krise gekommen sei. Die Vereinsarbeit habe „einfach Bock gemacht“, auch wenn „nicht immer alles angenehm war“.

Brokelmann lobte, wie sehr sich Trabandt mit allen Abteilungen beschäftigte. „Das war spannend – die vielen verschiedenen Sportarten und Menschen“, sagt Trabandt. Beim VfL bekommt jede Abteilungen ihren gerechten Etat zugeteilt, darüber hinaus müssen sich die Abteilungen, egal wie ambitioniert, selbst verwalten. Deshalb stehe der heutige Stader Fußball auch vor stetigen Herausforderungen. „Der Konkurrenzkampf ist mittlerweile riesig“, sagt Trabandt.

Neue Betreiberin für Bistro in Ottenbeck gefunden

Eine seiner letzten Amtshandlungen war, das Bistro in Ottenbeck am Leben zu erhalten. „Das muss eine Anlaufstelle bleiben, da habe ich mich noch einmal voll reingekniet“, sagt Trabandt.

Er konnte eine junge Konditorin aus Horneburg gewinnen, die im Februar neu eröffnete. Es müsse eine Gastronomie für die Sportler geben, am besten auch darüber hinaus, findet Trabandt. Bei der Mitgliederversammlung appellierte er an die Mitglieder, das Bistroangebot anzunehmen.

Auch die TuS Güldenstern Stade musste immer kämpfen. „Dass wir uns so lange in der Niedersachsenliga halten konnten, das auch immer wieder mit den Lizenzen geschafft haben – das bleibt an sich der Höhepunkt“, sagt Trabandt. Der größte Rückschlag bleibt natürlich der Absturz in die Bezirksliga.

Zwei Jahre später steht dann VfL Güldenstern Stade auf den Fußballtrikots. Trabandt wurde seinerzeit von der Stadt Stade für sein Engagement für die Fusion geehrt. Nun lässt er dieses Vereinsleben hinter sich.

Es zieht ihn nach München und er bleibt Stade verbunden

Trabandt führte in den vergangenen Jahren eine Fernbeziehung und hat im letzten Jahr geheiratet. „Nun reicht es mit der Wochenendbeziehung“, sagt er. Ostern verbringt er in München, der endgültige Schritt folgt im Mai. Noch ist Trabandt in der Übergangsphase.

Seine Frau Stefanie hat er auf dem Oktoberfest kennengelernt. Es hat von Anfang an gepasst. „Die Entfernung hat uns nicht ausgebremst“, sagt Trabandt, „wir haben über die Jahre einen tollen Weg gefunden. Aber jetzt ist es die logische Konsequenz.“

Trabandt hat sein Haus und das Firmengelände im Ottenbecker Industriegebiet verkauft. Auch vom gesamten Inventar hat er sich getrennt. „Das Gesamtpaket passte jetzt“, sagt er. Er sei nicht wehmütig. Nachdem seine Mutter schon früh ein Pflegefall geworden war, ordne er die Dinge des Lebens anders ein. Materielles habe wenig Bedeutung. „Und ich bin ein Typ, der immer nur nach vorne schaut.“

Seine Schrott- und Altmetallhandelsfirma, die er schon in fünfter Generation führt, betreibt Trabandt weiter. Es gibt Wege, das auch aus der Ferne zu managen. Außerdem wird er sowieso regelmäßig nach Stade kommen. Er hat sich eine Mietwohnung genommen. Seinen 15-jährigen Sohn Til will er natürlich trotz des neuen Lebensabschnitts nicht missen.

Und wenn es die Zeit erlaubt, schaut Trabandt bestimmt auch zukünftig mal bei einem Fußballspiel in Ottenbeck vorbei.

Quelle: Stader Tageblatt

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